Abschied von einer Unbekannten

20.03.2016



Es gibt Momente und Dinge, da fehlen selbst mir die rechten Worte. Ich meine, um wirklich WIRKLICH ausdrücken zu können, was ich fühle und meine. Klamauk oder Mimimi in 140 Zeichen (auf Twitter) - geht immer. Menschen beschimpfen auf Facebook - auch. Von Angesicht zu Angesicht sagen, was einem ernsthaft beschäftigt - Kein Problem. 

 

Aber wie sage ich Etwas zu bzw. über eine Unbekannte? Ist doch jedes Wort (so wichtig es mir persönlich doch ist) eigentlich schon mit dem schreiben an sich ... Zeitverschwendung und nutzlos. 

Wie sage ich einer Person "Ich vermisse dich!" ... von Der ich doch nicht mal weiß ob Sie wirklich Eine bzw Die Person ist, Die Sie vorgegeben hat zu sein!? Wie frage ich eine Person "Warum hast Du das getan?" ... wenn Diese doch gar nicht (mehr) greifbar ist - vermutlich nie greifbar war?

 

Sie hat mir von sich erzählt und doch ... weiß ich nichts von Ihr. Manchmal überlege ich sogar, ob ich vielleicht bloß nicht richtig "zugehört" habe ... aber das habe ich. Ich weiß es genau, denn ich hing an Ihren Worten, als wärn´s die Letzten. Wollte ich doch wissen, wer Sie war. Sie verstehen wollen. Einfach mehr von Ihr bekommen wollen ... mehr,  als diese ewig kleinen "Brocken" in DM (Twitter) oder später auch E-Mail. Ich versuche mal mein Glück. Für mich - nicht für Euch.

Es begann auf Twitter. Belanglos irgendwie. In der TL gekaspert haben wir. Dieses setzten wir in DM fort. Aus kaspern wurde ziemlich schnell Tiefgründiges. Und ... Herzchen. Irgendwann nach jedem Satz. "Du sag mal ... warum machen wir denn jetzt überall diese Herzchen ran?" "Ich weiß nicht ... aber schaden tut es ja nicht!"  Wir "lachten" darüber und behielten es bei - denn es schadete ja wirklich nicht. 

 

Sehr schnell schrieben wir täglich. Sehr schnell freute ich mich einfach auf das schreiben mit Ihr - auf Sie. Wir erzählten uns, was wir in unseren Jobs taten ... eh, irgendwie Alles, was wir gerade so taten - alles Mögliche halt. Wir schickten uns  Bilder - aktuelle Momentaufnahmen - himmelten uns gegenseitig an. Es gab nur einen Punkt an dem wir uns nie einig waren ... mein Umgang mit meiner Ex. Denn ich habe Diesen sehr lange gehalten. Ich brauchte es für mich. Kann nicht erklären warum. Vielleicht, weil mein Dad in dieser Zeit gestorben war. Vielleicht, weil ich einfach Jemanden brauchte, der DA ist - für mich!? Und meine Ex (eine mir vertraute Person) war es eben - irgendwie.

 

Sie hielt es hingegen weiter mit dem "nur online". Keine Stimme. Kein Treffen. Und eine direkte Kontaktaufnahme zwischen Ihr und der Ex machte die Sache irgendwie nicht besser. Es wurde die Vertrauensfrage gestellt. Und ich wurde erstmalig stutzig. Echt jetzt? Eine, Die nicht DA ist? Eine, Die nicht DA sein will? Ohne auf Einzelheiten eingehen zu wollen - es wurde kompliziert.

 

Es machte so keinen Sinn und so stellten wir den Kontakt ein. Denn ... Jemanden mögen, ohne diese Person jemals kennenlernen zu dürfen. Gefühle haben, die so viel größer waren, als der kleine Raum namens "online" Ihn jemals hergeben konnte. Es mußte sein. Und ich versuchte es wirklich ... ABER, ich hielt es irgendwann nicht mehr aus. Denn Sie ging mit den Worten "Ich liebe Dich und ich gehe nur für Dich".  Das konnte doch nicht sein!? Das fühlte sich SO nicht richtig für mich an. Und so habe ich altes Trottelgesicht wieder den Kontakt gesucht. Aber wie? Wenn ich doch von dieser Person gar nichts habe, außer eine Mailadresse, auf die Sie nicht mehr reagierte, weil Sie diese angeblich nicht mehr las!? Ich schrieb trotzdem. Nichts passierte. Irgendwann schrieb sogar meine Beste und plötzlich ... ein Lebenszeichen. Von Ihr. Ich habe bei der ersten Mail von Ihr geheult "wie´n Schloßhund" - vor Freude allerdings. Ich schweife ab.

Trotzdem war da nun Etwas, was ich irgendwie nicht mehr  abschalten konnte. Diese eine Frage: Wenn diese Zeit ohne Kontakt doch so schrecklich für Sie war (wie Sie gern schrieb) - warum kam von Ihr denn Nichts? Tut man/Frau denn wirklich gar nichts, wenn man/Frau vermisst? Ein komisches Gefühl machte sich breit. Nichts wirkte irgendwie mehr "echt". Ihr "Ich liebe Dich" tat gut aber fühlte sich nicht ehrlich an. Ich mißtraute Ihren Worten und Ihren Bildern. Zudem fühlte ich, das Sie dieses "mehr als online schreiben" nicht schaffte. Ich mache es kurz ... Sie schaffte es tatsächlich wieder nicht und "ging" Ende letzten Jahres wieder. Natürlich mit einem "Ich liebe Dich" ... und leider auch meinem Herzen in Ihrem Gepäck. 

 

Ich gebe es zu ... ich vermisse Sie schrecklich. Ich habe schon so einige miese Tage hinter und noch sicher so Einige vor mir. Und auch wenn es eine sehr merkwürdige Form der "Liebe" ist (sein muß) ... ich liebe Sie - noch immer - so sehr. Und genau DESHALB schreibe ich diese Zeilen. Einfach in der Hoffnung, endlich einen Abschied für mich hinzubekommen. Einen Schlußstrich, der mich wieder in das "normale" leben entlässt. Denn ich habe ja verstanden, das  es Ihr SO ... wenn es Sie denn wirklich gibt ... einfach gut geht ... gut gehen muß. Ich habe auch verstanden, das ich anfangen muß, mich wieder Menschen zu öffnen ... die eben im besten Falle "echt" sind. Die eben mehr brauchen und wollen, als nur leere Worte und unbestätigte Gefühle in kleinen Chats und/oder E-Mails. 

 

Also wünsche ich Ihr nur das Beste und viel Glück - so, wie mir auch.

 

Mach es gut und pass auf dich auf, Unbekannte. <3

Mein persönlicher Song zu dieser Geschichte:

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Kommentare: 4
  • #1

    JuBra (Donnerstag, 24 März 2016 20:10)

    Wenn das "sich wieder öffnen" nur nicht so schwer wäre. ..

  • #2

    Andi (Donnerstag, 24 März 2016 20:11)

    @JuBra ... ich denke, DAS ist die größte Challenge ... immer.

  • #3

    Dine (Freitag, 25 März 2016 08:11)

    So traurig schön. Ich hoffe, Du findest etwas Echtes. An das Du Dich festhalten und lehnen kannst. Und das Dich ebenso jemand so möchte. Fühl Dich gedrückt.

  • #4

    Lisa (Freitag, 13 Mai 2016 17:07)

    Echt rührend, deine Erzählung, traurig schön. Ich wünsche Dir vom Herzen, dass Du jemanden findest!

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